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Julian Moder & Samira Wirtz

Symposium:
Imag(e)ining Futures – Panel IV
6.11.26

Im Rahmen von Panel IV mit dem Schwerpunkt Zukunftsbilder im Transfer werden drei Vorträge stattfinden.

Hier geht es zur Programmübersicht des Symposiums.

Markus Turber (Intuity Media Lab, Stuttgart)

Es gab selten mehr zu gestalten.
Exploration to Market Impact — das Vakuum füllen, statt es zu vermessen

Vortrag I

Europa hat ein Gestaltungsvakuum von historischem Ausmaß — und wir haben es selbst erzeugt. Exploration — Forschung, Studien, Zukunftsbilder — wurde im ökonomischen Hinterzimmer betrieben, während alte Geschäftsmodelle mit deutscher Gründlichkeit zu technischen und organisatorischen Monstern weiterentwickelt wurden. Das Ergebnis: eine Entkopplung der ökonomischen und erlebten Realität von besserem Wissen, Wollen und Fühlen — zeitgleich ein Überfluss an Zukunftsbildern, an welche die Mehrheit nicht mehr glaubt, Definitions- und Deutungshoheit, die sich mit der Macht global verschiebt. Aber ein Vakuum eröffnet neue Spielräume!
Krachend fällt der alte Baum — aber leise wächst auch junger Wald: Eine Renaissance der Science Founders arbeitet aktiv an den prokrastinierten Herausforderungen, nicht als Innovationsmanagement, sondern als kreative Zerstörung im Schumpeterschen Sinn. Milliarden fließen in Deeptech; mehr als je zuvor und stark zunehmend. Diese Gründungen zu unterstützen erfordert eine andere Gestaltungshaltung und -praxis, die sich am Impact misst. Als Gestaltende können und müssen uns mehr vorstellen als kreative Zivilisten: befreit von Absicherungskultur, folgenlosem Verproben und Vorsicht als Methode — radikal in der Selbstreflexion, radikal eklektisch bei Mandaten im Niedergang, fordernd bei den Gestaltungsbedingungen, die Impact erst möglich machen. Denn insbesondere radikales Denken und Handeln erfordern Sorgfalt, Besonnenheit und Entwicklungsräume. Exploration to Market Impact heißt: den Rahmen des Zukunftsbilds verlassen, bauen, skalieren — das Vakuum füllen, statt es zu vermessen.

Dieser Vortrag findet auf Deutsch statt.

M.A. Magdalena Soetebeer (Freie Universität Berlin)

Ohne Zukunftsbilder keine Demokratie?
Zukunftsgestaltung im Spagat zwischen Strategie und Reflexion

Vortrag II

Menschen, die nicht an eine gestaltbare Zukunft glauben, haben kaum einen Grund, sich für Demokratie einzusetzen. Schließlich braucht Demokratie nicht nur Kritik an der Gegenwart, sondern auch Vorstellungen und Bilder davon, wie es in Zukunft besser sein könnte und sollte.
Wie wir über Zukunft nachdenken, sprechen und sie ins Bild setzen, ist also immer auch politisch – und wir Kommunikationsdesigner*innen spielen dabei eine wichtige Rolle. Stellen wir Zukunft als festgelegt oder als gestaltbar dar? Machen wir sichtbar, wessen Perspektiven und Ambitionen ein Zukunftsbild prägen? Wen laden wir ein, es mitzudiskutieren und mitzugestalten?
Von Klimaschutz über Technologieentwicklung bis zur Vermögensverteilung prägen unzählige Werte, Emotionen, Weltbilder, Narrative und Machtstrukturen unsere heutigen Bilder davon, was Morgen sein könnte. Wie wir Debatten um Zukunftsgestaltung gestalten, ist eine Mischung aus kritischem Design, kritischer Zukunftsforschung, strategischer Kommunikation und klassischem Foresight: Wie verändern wir effektiv etwas – und wie reflektieren wir, welche Veränderung wir überhaupt wollen und warum?
Dafür soll die Designperspektive mit Erfahrungen aus angewandten Foresight-Kontexten verbunden und diskutiert werden, wie Zukunftsgestaltung zugleich wirkungsvoll und verantwortungsvoll sein kann.

Dieser Vortrag findet auf Deutsch statt.

Prof. Dr. habil. Claudia Muth (Hochschule Hof, Angewandte Designwissenschaften)

Die Welt neu sehen? Ein Wandel in Schleifen

Vortrag III

Kann Design Wahrnehmungsgewohnheiten aufdecken oder sogar wandeln? Dieser Beitrag skizziert kognitionswissenschaftliche, phänomenologische und anthropologische Ansätze und begreift unseren Umgang mit materiellen und sozialen Umwelten als bewegten Kontakt: So nehmen wir nicht passiv Reize auf, sondern generieren proaktiv Vorhersagen auf der Basis erworbenen Wissens und gleichen diese mit den Reizen ab. Bewegt ist dieser Kontakt auch, weil wir explorieren, Perspektiven ändern, mit Dingen wahrnehmen und denken, uns Räume aneignen und weil uns etwas antreibt – motiviert (von lat. movēre: bewegen). Zwei Sichtweisen stehen sich hier gegenüber: Eine stellt das Motiv der Unsicherheitsreduktion in den Fokus. Der Begriff legt nahe, dass wir durch den Rückbezug auf Bekanntes in Schleifen festhängen, wenn wir wahrnehmen. Eine andere Sichtweise sieht Wahrnehmung dagegen als ein Erkunden von Bedeutungspotenzialen. Entsprechend kann Design Unsicherheit vermeiden und sich möglichst reibungslos an Praktiken und Vorannahmen einer Gruppe orientieren. Design kann uns aber auch „aufstoßen“: Gestalterische Interventionen widersprechen Gewohnheiten, im Spiel wandelt sich die Bedeutung von Dingen, Räumen, Beziehungen und Verhalten, partizipatorische Ansätze und uneindeutige Objekte fördern Mitgestaltung und spekulatives Design nutzt Kontrafaktisches, um unseren Blick auf die Gegenwart zu verändern. Dabei macht es manchmal Probleme zuallererst sichtbar und berücksichtigt Ansprüche verschiedener menschlicher und nicht-menschlicher Beteiligter. Lässt sich so die Welt neu sehen und welche Designkontexte erlauben solch ein Aufzeigen oder Aufbrechen von Wahrnehmungsroutinen?

Dieser Vortrag findet auf Deutsch statt.

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