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Julian Moder & Samira Wirtz

Veranstaltung:
Imag(e)ining Futures – Panel I
5.11.26

Bilder der Zukunft - Zukunft der Bilder

Im Zentrum von Panel I: Bilder der Zukunft – Zukunft der Bilder steht die doppelte Fragestellung: Was können Bilder ihrem Wesen nach in der Zukunft sein – und inwiefern prägen sie die Zukunft selbst? Welche Bildformen und Erzählmuster prägen gegenwärtige Zukunftsvorstellungen? Untersucht wird, wie Bilder nicht nur repräsentieren, sondern aktiv Erwartungen, Imaginationen und Wissensformen strukturieren. Bilder prägen unsere Gegenwart – und formen unsere Zukunft.

Die drei Beiträge nähern sich diesen Fragen aus unterschiedlichen Perspektiven: Rafael Dernbach fragt, was ein Bild zum Zukunftsbild macht, Malin Schulz untersucht den Wandel visueller Wirklichkeit durch generative KI und Salvatore Vitale untersucht, wie Bilder dazu beitragen, Zukünfte zu erfassen, die bereits in der Gegenwart entstehen.

Das Panel und die anschließende Diskussionsrunde werden moderiert von Prof. Johanna Diehl, Professorin für Fotografie an der THWS, und Tessa von Both, M.A. Design und Information (THWS).

Hier geht es zur Programmübersicht des Symposiums.

Prof. Dr. Rafael Dernbach (Berlin/Bielefeld)

Was macht ein Bild zum Zukunftsbild?

10:30-11:00 Vortrag

Zukunftsbilder begegnen uns heute überall: als apokalyptischer Click-Bait, als politische Science-Fiction oder als nüchternes Diagramm einer Prognose. Zukunftsbilder charakterisiert eine eigentümlichen Spannung. Sie zeigen etwas, das es (noch) nicht gibt. Sie sind damit per se irreal. Zugleich erheben sie den Anspruch eine kommende Realität vorstellbar zu machen. Sie wollen also wirksam sein. So folgen Zukunftsbilder einem antizipierenden Realismus mit eigenen Regeln, der umkämpft ist und geprägt von der medialen Situation einer Zeit.

Der Vortrag untersucht aktuelle Zukunftsbilder als mediale Artefakte, durch die Erwartungen, Ängste, Hoffnungen, Drohungen oder Hypes artikuliert und geteilt werden. Anhand einiger Beispiele versuchen wir die Konstruktion von Zukunftsbildern zu beschreiben und ihre Wirkung nachzuvollziehen. Um so zu fragen: wie wird ein Bild zum Zukunftsbild?

Malin Schulz (Berlin/Hamburg)

Die neue Macht der Bilder. KI und der Wandel visueller Wirklichkeit

11:30-12:00h Vortrag

Bilder waren lange Fenster zur Welt. Heute sind sie zu Akteuren geworden. Sie entstehen ohne Kamera, ohne Ort und oft ohne ein Ereignis, auf das sie verweisen. Generative Künstliche Intelligenz verändert damit nicht nur die Art, wie Bilder produziert werden, sondern auch ihre gesellschaftliche Rolle. Sie verbreiten sich schneller, als sie überprüft werden können, prägen Debatten, lenken Aufmerksamkeit und erzeugen Wirklichkeiten, bevor Worte sie einordnen.
Wer über KI spricht, spricht deshalb nicht nur über Deepfakes. Die eigentliche Verschiebung reicht tiefer. Das Bild verliert seinen Status als dokumentarischer Beleg und wird zu einem Medium der Projektion, der Überzeugung und der politischen Auseinandersetzung. In sozialen Netzwerken konkurrieren authentische Fotografien und synthetische Bildwelten um dieselbe Aufmerksamkeit. Sichtbarkeit wird zur neuen Währung und verändert den Bildjournalismus ebenso wie unser Vertrauen in das, was wir sehen.
Die Keynote zeichnet diese neue zukünftige Bildordnung nach und fragt, was geschieht, wenn Bilder nicht länger Wirklichkeit abbilden, sondern selbst zu ihrer Entstehung beitragen. Sie richtet den Blick auf eine Gegenwart, in der visuelle Kommunikation immer weniger von der Frage geprägt wird, ob ein Bild echt ist, sondern davon, welche Wirkung es entfaltet und welche Vorstellungen von Welt es hervorbringt. Die neue Macht der Bilder zeigt sich nicht zuletzt darin, dass sie unseren Blick auf Realität verändern, lange bevor wir darüber zu sprechen beginnen.

Prof. Salvatore Vitale (Luzern)

Images of Automated Futures

12:00-12:30 Vortrag

How can images help us understand futures that are already taking shape in the present? This lecture considers the role of artistic practice in examining technological, social and economic transformations that are often presented as inevitable, neutral or purely technical.
Taking the long-term project Death by GPS as its main point of departure, the lecture reflects on platform labour, algorithmic management and the growing use of automated systems to organise, evaluate and predict human behaviour. Developed through research and fieldwork with digital workers in South Africa, the project explores how these systems reshape time, autonomy, visibility and everyday life, while reproducing older relations of extraction and inequality.
Rather than treating speculation as a way of imagining distant scenarios, the lecture approaches it as a method for reading the tendencies, contradictions and power structures already embedded in contemporary life. It asks how images can make these processes perceptible and open space for thinking about whose futures are being designed, by whom and at what cost.

Diskussion Zukunft der Bilder – Bilder der Zukunft

12:30-13:00 Abschließende Diskussionsrunde moderiert von Prof. Johanna Diehl, Professorin für Fotografie an der THWS, und Tessa von Both, M.A. Design und Information (THWS)