
Veranstaltung:
Imag(e)ining Futures Symposium – Panel 2 Diskussionen
5.11.26
Im Rahmen von Panel 2 mit dem Schwerpunkt Nachhaltigkeit & Zukunftsforschung im Design werden nach zwei Vorträgen drei parallel stattfindende Diskussionsrunden angeboten. Nach einem kurzen Impuls von den jeweiligen Leitenden haben die Teilnehmenden die Möglichkeit sich auszutauschen, zu diskutieren und daraus gewonnene Erkenntnisse zu visualisieren.
Weitere Informationen zu den Diskussionsrunden und zur Einschreibung erfolgen in Kürze.
Hier geht es zur Programmübersicht des Symposiums.
Prof. Raffaela Aversa (University of Campania, Neapel)
Geschichte des Designs als Geschichte des Technologietransfers
Diskussionsrunde I
Dieser Workshop findet auf Englisch statt.
Die Geschichte des Designs lässt sich als Geschichte des Technologietransfers verstehen, in der wissenschaftliche und technische Innovationen in Produkte und Erfahrungen umgesetzt werden, die den Alltag prägen. Design verleiht Objekten nicht nur Gestalt, sondern wirkt als Katalysator, der technologisches Potenzial in soziale, kulturelle und wirtschaftliche Innovationen umwandelt. Ein aktuelles Beispiel ist die additive Fertigung, die sich von industriellen und biomedizinischen Anwendungen zu einem Medium des kreativen Ausdrucks entwickelt hat, wie die Arbeiten von Iris van Herpen zeigen. Unternehmen wie Materialise haben eine Schlüsselrolle dabei gespielt, Spitzenforschung, digitale Fertigung und Designpraxis miteinander zu verbinden. Diese Verbindung zwischen technologischer Innovation und Design hat eine lange Tradition, wie der Panton-Stuhl verdeutlicht, dessen bahnbrechende Form durch Fortschritte bei Polymerwerkstoffen und Fertigungsverfahren ermöglicht wurde. Heute geht der Technologietransfer über Leistung und Effizienz hinaus und befasst sich auch mit Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft. Von Designern wird zunehmend erwartet, dass sie die Lebenszyklen von Materialien neu überdenken, indem sie Wiederverwendung, Rückgewinnung und Regeneration ermöglichen. Materialforschung, Bioingenieurwesen und additive Fertigung bieten neue Möglichkeiten zur Entwicklung von Produktionsverfahren, die technologische Innovation mit ökologischer Verantwortung verbinden. Diese Diskussion untersucht, wie Design den Technologietransfer vorantreiben und gleichzeitig die nachhaltigen Ströme von Materialien, Technologien und Ressourcen gestalten kann, die für eine regenerative Zukunft erforderlich sind.
M.A. Julian Moder (Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt)
Second-Hand Futures
Diskussionsrunde II
Dieser Workshop findet auf Deutsch statt.
Wie verändern KI-generierte Bildwelten Vermittlung, Erinnerung und Lernen? Generative Systeme schöpfen aus dem Bestand menschlich erzeugter Fantasien und schreiben ihre Ergebnisse in eben diesen Bestand zurück. Die Frage ist, welche Wirkung diese synthetischen Bild- und Informationswelten auf die kulturellen Praktiken ausüben, die Gestaltung trägt und voraussetzt. Wie verändert sich Vermittlung, wenn Rezipierende grundsätzlich damit rechnen müssen, dass Informationen maschinell und stochastisch erzeugt sind? Was bedeutet es für Erinnerung und kulturelles Gedächtnis, wenn Vergangenheit zunehmend durch statistische Modelle repräsentiert, rekonstruiert und fortgeschrieben wird? Und welche Folgen hat das Auslagern von Recherche-, Schreib- und Entwurfsarbeit an lernende Systeme für Literacy und Lernverhalten, also für jene Kompetenzen, auf denen Gestaltung und Vermittlung selbst beruhen? Zur Debatte steht, ob eine Technologie, die aus Bildern der Vergangenheit schöpft, neue Zukunftsbilder hervorbringen kann oder den Möglichkeitsraum von Gestalten, Erinnern und Lernen verengt, und welche Entwurfs- und Vermittlungspraktiken diesen Verschiebungen nachhaltig begegnen.
M.A. Barbara Schmidt (Technische Hochschule Würzburg-Schweinfurt)
Nachhaltigkeit dekolonialisieren
Diskussionsrunde III
Dieser Workshop findet auf Deutsch statt.
Wer darf Zukunft gestalten? Wir gestalten unsere Welt – und unsere Welt gestaltet uns zurück. Wer Technologien, Produkte, Räume oder Diskurse entwirft, formt auch Seinsweisen, Beziehungen und Vorstellungen davon, wie Zukunft gedacht und gelebt werden kann. Design ist dabei niemals neutral: Es ist immer eingebettet in kulturelle Kontexte und bestimmte Weltbilder. Nachhaltigkeit wird dabei überwiegend aus eurozentrischen Perspektiven gedacht und verbleibt dadurch häufig in genau jener Logik, die maßgeblich zur Entstehung der planetaren Krise beigetragen hat. Die Suche nach Lösungen richtet sich dann vor allem auf technologische Innovation, Effizienzsteigerung oder „grünes“ Wachstum – ohne die zugrunde liegenden Machtverhältnisse, Weltbilder und historischen Kontinuitäten kritisch zu hinterfragen. Indigene, lokale und gemeinschaftsbasierte Praktiken sowie alternative Life-Projects bleiben dabei oft unsichtbar oder werden an den Rand gedrängt, obwohl sie zentrale Impulse für andere Formen des Zusammenlebens geben könnten. Die planetare Krise ist deshalb nicht nur eine ökologische, sondern auch eine epistemische Krise: Wessen Wissen zählt? Welche Zukunftsentwürfe gelten als relevant? Und wer ist Überhaupt beteiligt, wenn nachhaltige Zukünfte gestaltet werden? Die Diskussionsrunde lädt dazu ein, Nachhaltigkeit und Design aus einer dekolonialen Perspektive neu zu denken: Gemeinsam wollen wir reflektieren, welche Methoden, Haltungen und Praktiken es braucht, um vielfältige Perspektiven und Zukünfte nicht nur sichtbar zu machen, sondern aktiv in den Designprozess einzuschließen.